Bloggen liegt immer im Auge des Betrachters. Dort liegt es im Grunde genommen auch sehr gut. Als ich mit diesem Blog anfing, da wollte ich ursprünglich “nur mal gucken, wie das so ist” - eine Aussage, die wahrscheinlich auf 90% aller Blogs zutrifft, von denen wiederum 90% das “Typisch-Deutsch-Syndrom” haben - sie gammeln desertiert irgendwo herum und warten vergeblich auf bessere Zeiten. Die übrigen zehn Prozent werden von ihren Besitzern gehegt und gepflegt - denn kommen erst einmal die ersten Kommentare und Trackbacks, ist man eigentlich auch schon infiziert.
Theoretisch ist das recht knorke, denn auf diese Weise funktioniert nunmal die Blog-Konditionierung - man tut etwas und bekommt eine Belohnung dafür - in diesem Falle eben in Form von Resonanz. Umgekehrt aber unterliegt man nun dem Zwang, den - hoffentlich wiederkehrenden - Besuchern etwas zu bieten. Interessantes, Heiteres, Schockierendes. Irgendetwas muss es doch wert sein, darüber möglichst wöchentlich oft häufig mindestens täglich einen Beitrag zu verfassen. Und nicht so einen Dulli-Beitrag, nein, er muss direkt anregen, aufregen oder womöglich sogar erregen. Und hier wiederum liegen gleich der Probleme zwei.
Erstens nämlich verschiebt sich der Fokus des Schreibens nicht mehr unbedingt auf das Schreiben an sich, sondern auf die neue Konditionierung, ergo entsprechende Resonanz. Man schreibt also nicht mehr um des Schreibens willen, sondern um Kommentare und womöglich auch Trackbacks zu erhaschen. Beiträge werden fortan zum Mittel zum Zweck degradiert und enden oft genug in der qualitativen Rolltreppe abwärts. Neue Beiträge verheissen immerhin bei entsprechendem Blog womöglich noch Text und somit Treffer bzw. Traffic über Suchmaschinen. Die User werden somit augenscheinlich mehr, aber die sogenannte Stickyness, sprich Page Views per User geht mangels Interesse einfach flöten. Ebenso wie eine mögliche Abonnentenzahl des RSS-Feeds und natürlich auch die schriftliche Resonanz, während der Besuchercounter trotzdem rotiert. Das Der Blog füttert sich ab einem bestimmten Punkt selbst mit Traffic, ist allerdings schon kurz nach der Geburt an Konsistenzmangel verstorben.
Zweiter Punkt wäre die teils nicht zu verachtende und nicht zu verleugnende psychische Belastung des eifrigen Schreibers. Denn ist erst einmal die Resonanz da, so will man - wie eingehends bereits angedeutet - seine Besucher natürlich halten, zum Wiederkommen animieren und herzlich dazu einladen, in den Kommentaren zu diskutieren. Insofern gleicht auch das Betreiben eines kleinen, privaten Blogs fast schon einer Mischung aus Redakteur und Foren-Moderator. Lässt man sich komplett darauf ein, wird man schnell feststellen, dass so ein Blog wirklich nie fertig ist. Für einen selbst nie wirklich zufriedenstellend. Eigentlich sind da tausend Dinge zu tun, tausend kleine Baustellen, tausend Ideen, tausend Inspirationen von anderen Seiten - und habe ich eigentlich zu diesem und jenem Thema schon was geschrieben? Und eine möglichst gründliche Recherche ist - fällt man nicht dem oben genannten, ersteren Syndrom zum Opfer - natürlich absolute Pflicht. Ehrensache. Schnell stellt man also fest, dass so ein harmloses, eigentlich nur spasseshalber aufgesetztes Blog recht schnell sehr zeitintensiv wird. Und es ist fast schon egal, wieviel Freizeit man sein Eigen nennt - sie reicht nie vollständig für die regelmäßige Pflege des Blogs. Zumindest nicht für die, die man ihm eigentlich am liebsten angedeihen lassen möchte. Füttern, pflegen, großziehen und liebevoll umsorgen. Fast wie ein Online-Tamagotchi, nur ohne das nervige Piepsen, welches sich aber sicher per Plugin nachrüsten liesse.






